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Seattle International Film Festival 2008

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2008 Kandidaten
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Ópium: Egy elmebeteg nö naplója (Hungarien 2007)
Regisseur: János Szász

Es kommt nicht oft vor, dass man ein Review mit dem Satz “ein mit von sexueller Spannung schwelendes Drama in einem ungarischen psychiatrischen Anstalt für Frauen” einleitet. Aber da der Film mit einer sexuellen Begegnung zwischen Dr. Brenner (Ulrich Thomsen) und einer Unbekannten beginnt und da Sex immer knapp unter der Oberfläche dieses Filmes schwelt, liegt nichts näher.

Es ist 1913 und Dr. Brenner ist ein ungarischer Psychiater, der in seinen Methoden seiner Zeit weit voraus ist, was vermutlich daran liegt daß die gemeinhin gängigen Methoden seiner Zeit darin bestehen die Patienten zu foltern oder nackt auszuziehen. Der opiumabhängige Brenner führt sein ganzes Leben lang Tagebuch, bis er eine Schreibblockade erlebt. Von der Aussicht auf den einfachen Zugang zu Morphium gelockt, meldet er sich freiwillig in Dr Moravcshiks Anstalt zu arbeiten, wo eine Belegschaft aus Nonnen und Krankenschwestern den Patienten das Leben zur Hölle macht. Dort begegnet er der attraktiven Gizella Klein (Kirsti Stubø). Sie schreibt obsessiv und lebt schon seit über zehn Jahren in der Anstalt. Das Schreiben bringt die beiden zueinander./p>

Die Handlung bewegt sich dadurch vorwärts, daß die beiden Protagonisten ihre Gedanken erzählen und dabei ihre innersten Gefühle erforschen. Der Versuch den ganze Film von dieser Technik tragen zu lassen, schlägt jedoch fehl. Auch als eine didaktische Geschichte des Kampfes zwischen innovativem Denken und einem rückständigem Medizinverständnis funktioniert der Film nicht, obwohl dieser Konflikt einen der seltenen emotionalen Regungen bei Brenner provoziert. Im Grossen und Ganzen ist die Schauspielerei solide und diejenigen, die sich für Filme über Geisteskrankheiten interessieren oder ungarisches Kino allgemein mögen, werden “Opium” bestimmt zu schätzen wissen.

PA Klasse 6/10

Ulrich Thomsen: Dr. Brenner
Kirsti Stubø: Gizella
Zsolt László: Dr. Moravcsik

Apollo 54 (Italien 2007)
Regisseur: Giulivi Giordano

Diese übermäßig lange Parodie auf die Science-Fiction Opern der 1950er Jahre hat einige wirklich komische Momente. Mysteriöse Fernsehsignale verwandeln die Erdbevölkerung in Zombies und der interstellare Erforscher Bobby Joe ist fest entschlossen, sie aufzuhalten. Silvano Bertolin gibt eine grundsolide komödiantische Vorstellung als aufgeblasener Raumschiffkommandant, der sich auf die Reise begibt, um herauszufinden, wo die Signale herkommen. Begleitet wird er von seinem Kameraden Jim Bob, der mit seiner Art an Chico Marx erinnert, und zusammen bauen sie ein Raumschiff für ihre Mission die Welt zu retten. Science-Fictionfilme der 1950er Jahre sehen für uns aus heutiger Sicht billig produziert aus und das Set ist absichtlich so gestaltet, diese Stimmung einzufangen.

Giordano gelingt es einen ordentlichen Schlag gegen die meisten Klischees dieser Ära loszulassen, aber nach einer anfänglichen Phase des Gelächters über die kreative Genialität all dessen, werden Sie schnell feststellen, dass es eine Weile her ist, als sie zuletzt gelacht haben. Hätte Giulivi es irgendwo zwischen einem Kurzfilm und einer Stunde angesiedelt, hätten wir dem Treiben zujubeln können. Leider scheint die letzte halbe Stunde mehr oder weniger zu stören und der Charakter des Anselmo (Luca Silvani) ist womöglich die ärgerlichste und unamüsanteste Rolle, die sie je in einem italienischen Film gesehen haben.

Für eine Stunde erinnert Sie Apollo 54 an Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy. Danach wird es Sie nur noch daran erinnern, dass Sie vergessen haben, Ihre Katze zu füttern.

PA Klasse 6/10

Silvano Bertolin: Bobby Joe
Duccio Giulivi: Jim Bob
Luca Silvani: Anselmo
Giordano Giulivi: Apelle

Bottle Shock (USA 2008)
Regisseur: Randall Miller


Bill Pullman und Chris Pine

Mit einem humorvollen Film basierend auf einer wahren Geschichte nimmt Miller uns mit in die Zeit, in der das Napa Valey noch kein weltweit bekanntes Synonym für guten Wein war. Wir schreiben das Jahr 1976 und Stephen Spurriers (Alan Rickman) Misserfolge als Weinverkäufer sind dabei sich mit Jim Barretts (Bill Pullman) Misserfolgen als Weinbauer auf der anderen Seite des Atlantiks zu verknüpfen.

Alan Rickman schafft es mit Mühe und Not den Film nicht völlig zu beherrschen, denn er ist herausragend in seiner Rolle als stereotyper Brite. Das soll nicht heißen, dass der Charakter des Weinhändlers Stephen Spurriers keine Tiefe hätte, aber Rickman spielt ihn so, als ob Spurrier sich selbst dazu entschlossen hätte, sich die Mannerismen gezielt anzugewöhnen. Rickman ist einer der wenigen großen Schauspieler die einen Stereotyp spielen können und dabei immer noch genial sind. Wir erfahren nicht wie er zu dem unrentablen Weinladen I’Académie du Vin in Paris gekommen ist, noch die Gründe, warum er England verlassen hat. Aber es ist klar, dass der Spurrier überhaupt nicht von Frankreich begeistert ist. Angespornt von seinem Nachbar Maurice (Dennis Farina) macht er sich jedoch trotzdem zu einer Reise nach Napa auf, um Wein zu testen.

Kulturelle Konflikte sind vorprogrammiert als er in eine typische amerikanische Seifenoper auf dem Weingut Chateau Montelana hineinstolpert. Jim Barretts fauler Sohn Bo (Chris Pine) befindet sich in einer Fehde mit dem mexikanischen Arbeiter Gustavo (Freddy Rodriguez) über eine Arbeiterin. Bo streitet sich auch mit seinem Vater, der seinen fehlenden Ehrgeiz bemängelt. Das Gut Chateau Montelana kämpft ums Überleben und Jim Barrett steht Außenseitern und ihren Ideen genauso ablehnend gegenüber, wie der von ihm verachteten französischen Weinindustrie im Allgemeinen. In diese explosive Mischung marschiert nun Spurrier mit der Idee, Napas Weine nach Frankreich zu einem blinden Weinprobentest zu bringen.

Der Film ist unterhaltsam und gut gemacht, aber das Wort “unvollständig” kommt einem wieder und wieder in den Kopf. Der Film streift die auch heute noch vorhandene inhärente Feindseligkeit Amerikas Frankreichs gegenüber, verfolgt dieses Thema jedoch nicht weiter. Auch gibt es Untertöne einer rassistischen Spannung zwischen Gustavo und Jim Barrett, die von Miller nur angedeutet und nicht weiter ausgeführt wird. Und das sind nur zwei der Handlungsstränge, die beginnen, nur um dann wieder ins Leere laufen. Der größte Teil davon hätte auf dem Schneidebrett bleiben können.

Ein weiterer Punkt den man erwähnen muss, ist die schauspielerische Leistung von Dennis Farina als Maurice. Sein Verhalten als Amerikaner in Paris kommt einem ungehobelt und rüpelhaft vor, während das gleiche Verhalten bei den amerikanischen Charakteren in Kalifornien völlig angemessen erscheint und unterstreicht damit den kulturellen Unterschied. Vielleicht liegt es an Farinas Jacke. Trotzdem ist diese Rolle nur ein kleiner Triumph für Miller, denn Farinas Charakter gibt diesem nicht genug Möglichkeiten, ihn voll auszuspielen.

Trotz dieser Mängel und der nationalen Stereotypen ist die Geschichte filmisch gut umgesetzt, wobei man dazu sagen muss, dass. Rickmans Talent auch einen schlechteren Film retten könnte. “Bottle Shock” war eine gute Wahl, um das SIFF 2008 abzuschliessen und die Weinhändler des Napa Valley haben guten Grund, in den nächsten Monaten einen grösseren Umsatz zu erwarten.

PA Klasse 7/10

Alan Rickman: Steven Spurrier
Bill Pullman: Jim Barrett
Chris Pine: Bo Barrett
Rachael Taylor: Sam
Freddy Rodríguez: Gustavo
Eliza Dushku: Joe
Miguel Sandoval: Mr. Garcia
Bradley Whitford: Professor Saunders
Joe Regalbuto: Bill
Hal B. Klein: Shenky
Kirk Baily: Loan Officer/Bankarbeiter
Philippe Bergeron: Pierre Tari

Une vieille maîtresse (Frankreich 2007)
Regisseurin: Catherine Breillat


Asia Argento
“Une vieille maîtresse” basiert auf dem Roman von Jules-Amédée Barbey d’Aurevilly und spielt im Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts. Der Freidenker Ryno de Marigny (Fu’ad Ait Aattou) plant die schöne und unschuldige Hermangarde (Roxane Mesquida) zu heiraten. Aber in der Gesellschaftsschicht in der sich die beiden bewegen sind solche Dinge nie ohne Komplikationen. Zumindest in den Filmen, die in dieser Zeit spielen. Ryno ist ein Mann mit Vergangenheit und Gerüchten zufolge ist diese noch lange nicht abgeschlossen.

Le Vicomte de Prony (Michael Lonsdale) und die Comtesse d’Artelles (YOlande Moureau) überzeugen Hermangardes Großmutter und Vormund La Marquise de Flers (Claude Sarraute) ihren zukünftigen Enkel genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie bestellt ihn zu sich und möchte sich versichern, dass die Gerüchte um seine Liebeleien nicht wahr seien. Ryno erzählt ihr daraufhin die Geschichte seiner 10 Jahre andauernden Affäre mit Vellini, gespielt von dem Star des Films Asia Argento. Velline ist die uneheliche Tochter eine italienischen Gräfin und eines spanischen Stierkämpfers und wurde mit Sir Reginald (Nicholas Hawtrey), einem alten Engländer, verheiratet. Ryno und Vellini lernen sch über einen gemeinsamen Freund kennen und ihre Affäre ist intensive und graphisch. Dieser Film präsentiert alles, was man von einem französischen Film erwarten kann, besonders von einem film von Catherine Breillat. Und, wie zu erwarten, stiehlt Asia Argento allen die Show. Rynos Erzählung dieser Affäre nimmt nicht nur den größten Teil des Films ein, sondern ist auch bei Weitem der Beste.

“Une vieille maîtresse” ist Breillats zwölfter Film, der erste seit ihrer massiven Gehirnblutung in 2004. Er hat alle richtigen Zutaten für einen fantastischen Film, aber der Anfang und das Ende können leider nicht mit dem mittlerem Teil mithalten. Nichtsdestotrotz wurde er 2007 in Cannes gezeigt und es lohnt sich, ihn sich anzusehen.

PA Klasse 7/10

Asia Argento: Vellini
Fu'ad Ait Aattou: Ryno de Marigny
Roxane Mesquida: Hermangarde
Claude Sarraute: La marquise de Flers
Yolande Moreau: La comtesse d'Artelles
Michael Lonsdale: Le vicomte de Prony
Anne Parillaud: Mme de Solcy
Jean-Philippe Tesse: Le vicomte de Mareuil
Sarah Pratt: La comtesse de Mendoze
Amira Casar: Mademoiselle Divine des Airelles
Lio: La chanteuse
Isabelle Renauld: L'arrogante
Léa Seydoux: Oliva
Nicholas Hawtrey: Sir Reginald
Caroline Ducey: La dame de Pique

Rusalka (Russland 2007)
Regisseurin: Anna Melikyan

Kritiken von Amie Simon


Mariya Shalayeva
Vom skurrilen Vorspann bis zu den farbenprächtigen Traumsequenzen wird dieses visuell beeindruckende moderne Märchen Sie in seinen Bann ziehen.

Die sechs Jahre alte Alisa Titova hat eine ausgeprägte Vorstellungskraft. Sie verbringt Stunden in ihrer verschlafenen Hütte am Meer, davon träumend eine Ballerina zu sein und eilig laufend, um die einfahrenden Schiffe zu treffen, in der Hoffnung ihren Vater, dem sie nie begegnet ist, unter den Seemännern zu finden. Ihr Charme und ihre Begeisterung sind nicht zu leugnen, aber das Ungewöhnlichste an Alisa ist, dass sie die Fähigkeit besitzt das Wetter zu kontrollieren und Wünsche zu erfüllen – für einen hohen Preis.

Nachdem das Familienhaus abgebrannt ist, entschließt sich Alisa dazu für immer stumm zu bleiben und wir nehmen ihre Geschichte wieder auf, als sie 17 Jahre alt ist. Gelegenheit für ein neues Leben bietet sich in Form eines Hurrikans, in deren Folge die Familie in die Großstadt Moskau zieht. Die Liebe zu einem Fremden, der Sasha heißt, entfacht ihre Fähigkeit zu kommunizieren, aber nicht alles ist so wie es aussieht. Alisas Lebensaufgabe ist viel größer als sie denkt.

Die Regisseurin Anna Melikyan verwendet geschickt einen Aufwärtsdrall zu den vielen Tragödien, die auftreten und beide Schauspielerinnen (Anastasia Dontsova als 6-jährige und Mariya Shalayeva als die 17 Jahre alte) verhelfen Alisa zu einem bezaubernden, hell scheinenden Leben. Zwangsläufig kommen Vergleiche zu "Amelie" auf, aber dieser hervorragende russische Film steht für sich selbst.

PA Klasse 8/10

Mariya Shalayeva: Alisa
Yevgeni Tsyganov: Sasha
Mariya Sokova: Mama
Anastasiya Dontsova: Die junge Alisa

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