The Big White (USA 2005)
Regisseur: Mark Mylod
Filmkritik von Widar Wendt
Der Slogan des Werbeposters verrät es bereits, "If you need somebody, any body will do." (Wenn du jemanden brauchst, wird es jeder Körper tun.) The Big White ist eine rabenschwarze Komödie, die Alaska zum Schauplatz obskurer Vorgänge macht.
Paul Barnell (Robin Williams) ist ein glückloser Angestellter eines Reisebüros, der von der Versicherung kein Geld für den seit sieben Jahren vermissten Bruder bekommt und überdies eine Frau zu Hause hat, die unter dem Tourette-Syndrom leidet – brilliant gespielt von Holly Hunter. Als er dann eine gefrorene Leiche findet, nutzt der kleine Geschäftsmann die Gunst der Stunde, um damit an das dringend benötigte Geld zu gelangen. Sein Plan geht beinahe auf, wären da nicht zwei durchgedrehte Killer, die im Auftrag der Mafia nach der Leiche suchen und sogar Barnells Frau entführen. Die Lage wird noch dramatischer, als Barnells totgeglaubter Bruder Raymond (Woody Harrelson) plötzlich wieder auftaucht und seinen Anteil vom Versicherungsbetrug erwartet. Als dann noch der pedantische Versicherungsdetektiv Ted Watters (Giovanni Ribisi) auf den Fall aufmerksam wird und Beweise sucht, um Barnell die Millionen zu verwehren, droht dem kleinen Angestellten alles aus dem Ruder zu laufen.
Mark Mylods Krimifarce ist so kurios wie genial. Das graue Leben in Alaska, die tägliche Routine wird von einem Moment auf den anderen aus den Angeln gehoben. Die größte Stärke von Collin Friesens Drehbuch liegt in einer detaillierten Beschreibung der eigenwilligen bis völlig durchgedrehten Charaktere, die schlüssig entwickelt werden. So spiegeln die Szenen zwischen Williams und Harrelson die Differenz zweier absolut gegensätzlicher Brüder wider – Williams als Versager, der aber seine letzte Chance an Geld zu gelangen erkennt und Harrelson als Verbrecher, der den Schwindel entdeckt und seinen Bruder bedroht. Der einzige Unterschied zum echten Leben ist, dass hier alles auf die Spitze getrieben wird. Echte Dynamik entsteht zwischen den unterschiedlichen Parteien und Paul Barnell steht von einem Tag auf den anderen einer Unmenge an Herausforderungen gegenüber: der Mafia und den Kidnappern seiner Frau, seinem gemeingefährlichen Bruder und dem Versicherungsdetektiv, der ihm auf Schritt und Tritt folgt.
Filmästhetisch klassisch, aber auch Dank der beeindruckenden Eiskulisse überzeugend inszeniert, zeigt sich Mylods Independent-Produktion. Das bunte Treiben spiegelt eine schräge und ziemlich abgeschlossene Gemeinschaft wider, in der die eigenwilligen Einwohner entweder nach persönlichem Vorteil suchen oder sich der gesetzestreuen Wahrheit verpflichtet fühlen. Am Ende aber überwindet die Liebe Paul Barnells zu seiner Frau alle Hürden und führt zu einer interessanten Auflösung des Plots. Während Paul Barnell über sich hinauswächst, amüsiert sich der Zuschauer und wartet gespannt auf das große Finale, in dem alle Gruppen inmitten des ewigen Eises zum Showdown zusammentreffen. Eines darf hier verraten werden: Blutig geht diese Geschichte zu Ende, aber auch mit viel Herz.
Robin Williams: Paul Barnell
Holly Hunter: Margaret Barnell
Giovanni Ribisi: Ted Watters
Woody Harrelson: Raymond Barnell
Alison Lohman: Tiffany
Tim Blake Nelson: Gary
W. Earl Brown: Jimbo
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Electric Shadows (China 2004)
Regisseur: Jiang Xiao
Originaltitel: Meng ying tong nian
Dieser Film erzählt von 2 jungen Chinesen während der chinesischen Kultur
Revolution und ihrer Liebe zum Freiluftkino.
Der Zusammenhang ist erst schwer zu verstehen, denn der arme Wasserbote
Dabing wird von einem merkwürdigen und wortkargen Mädchen 'Ling Ling' mit
einem Backstein auf den Kopf geschlagen, nachdem er, aus Versehen, einen
Haufen Backsteine in einer Gasse umfährt.
Während der Genesung findet Dabing dasselbe Mädchen im gleichen
Krankenhaus, in der Psychatrie.
Irgendwie macht sie ihm klar, das er ihre Fische zu füttern hat und
überlässt ihm die Wohnungsschlüssel.
Nun endlich werden die Zusammenhänge klar, als er ihre Wohnung und ihr
Tagebuch entdeckt. Die Wohnung ist praktisch ein Schrein für die Freiluftkino- und
Filmgeschichte, und das extraordinäre Tagebuch erklärt warum, und auch
Dabing wird magisch mit in die Geschichte hineingezogen.
Ein langsamer, aber sehr schöner Film, mit vielen Details, interessanten
Szenen in dem chinesischen Dorf und einem Einblick in die chinesische
Gesellschaft zu der Zeit.
Yu Xia: Mao Dabing
Haibin Li: Pan Daren
Yijing Zhang: Ling Ling
Zhongyang Qi: Die junge Ling Ling
Zhengjia Wang: Mao Xiaobing
Haogi Zhang: Bing Bing
Yuquing Xia: Xiaobings Vater
Shan Jiang: Polizistin
Zhenhua: Doktor Niu
Yang Liu: Frau mittleren Alters
Jinbao Zhao: Lehrer
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Once (Republik von Irland 2006)
Regisseur: John Carney
“Once” ist ein modernes Musical, eine klassische Boy-Meets-Girl-Story, in der es allerdings mehr um die Musik
geht, die sie zusammen machen, als um die mögliche Romanze zwischen ihnen.
Der namenlose junge Mann (Glen Hansard, der Frontman der irischen Rockband “The Frames”) und das Mädchen
(Markéta Irglová) begegnen sich in der Rathlin Street in Dublin, wo er als Strassenmusikant arbeitet und sie
Blumen verkauft. Ihre Namen erfährt der Zuschauer während des gesamten Films nicht. Berührt von dem zu Herzen
gehenden Text eines seiner Lieder bleibt sie stehen um mit ihm zu sprechen und versucht dabei von vorne herein,
bei ihm Interesse an ihrem eigenem Leben hevorzurufen. Zögerlich, nach und nach, gelingt ihr das auch, und es
wird schnell klar, dass die beiden einiges gemeinsam haben. Es stellt sich heraus, dass auch sie Musikerin ist,
eine tschechische Immigrantin, die während ihrer Mittagspause auf einem ausgeliehenen Klavier spielt. Von da an
werden die Songs geschickt in die Handlung eingewebt und dienen gleichsam dazu, das Zusammenkommen der beiden
zu beschreiben sowie die Dinge, die sie voneinander trennen. Hansards Charakter ist nicht in der Lage, das
Mädchen davon zu überzeugen, ihre Beziehung weiterzuentwickeln. Diese Unfähigkeit wird jedoch durch das Talent,
sein Leben in Liedern auszudrücken, mehr als wettgemacht, besonders an einer Stelle, wo er sogar seinen Akzent
und musikalischen Stil ändert, um ein für ihn besonders schmerzhaftes Erlebnis zu erzählen. Beide, er und sie,
scheinen Angst vor dem Inhalt des Liedes zu haben, fühlen sich aber gleichzeitig von der Musik angezogen. Bald
schon schreiben sie den Song zusammen, und die Musik beginnt ihre Beziehung zu definieren, nicht die Beziehung
die Musik, die sie zusammen machen.
Die kraftvollsten und emotionsgeladensten Momente des Films werden durchgehend in seinen Liedern ausgedrückt,
so zum Beispiel als der junge Mann die noch vorhandenen Gefühle für seine Ex-Freundin in wechselnden musikalischen
Stilrichtungen beschreibt, oder als das Mädchen damit beginnt, provisorische Liedtexte in ein nicht vollendetes
Musical von ihm zu einzubauen, während sie im Dunkeln singend eine Strasse hinuntergeht. Wenn sich die beiden
unterhalten, sind sie befangen und vorsichtig, wenn sie singen hingegen klar und direkt. Anders als in einem
traditionellen Musical ist die Musik immer ein natürlicher Teil der Handlung, niemals eine Showeinlage, die
getrennt vom Plot stattfindet. “Once” fängt die kreative Energie der Musiker ein und macht sie für den Zuschauer
durch wirklichkeitsnahe, strauchelnde Charaktere, die das, was sie nicht sagen können, singen, so real wie es
der künstliche Rahmen eines Musicals hergibt.
Es gibt einige filmische Klischees hier, die den passionierten Kinogänger irritieren werden, wie beispielsweise
die Darstellung eines Ozeans im Hintergrund, als es um einen besonders “tiefen” Moment in der Handlung geht, oder
eine Motorradfahrt, die den Zuschauer wissen lassen soll, dass die beiden während eines Ausflugs Spass hatten.
Carney kann sich besser in den musikalischen Szenen darstellen, während Irglová ein bemerkenswertes Filmdebut
abliefert. Die Lieder wurden zum grössten Teil von Irglová und Hansard selbst geschrieben und befinden sich auf
seinem ersten Soloalbum “The Swell Season”.
Liebhaber Irlands und alles, was damit zu tun hat, werden diesen Film schon allein wegen seines keltischen
Charmes lieben, und Musikliebhaber werden es interessant finden, dem kreativen Prozess bei der Arbeit zuzusehen,
aber es wäre übertrieben, diesen Film als grossartig zu bezeichnen. Er scheut vor einer genaueren Analyse grösserer
Themen wie zum Beispiel dem der Einwandererproblematik und davor, wie sie eine Beziehung beeinflussen können,
zurück, für die im Film sicherlich Zeit gewesen wäre. Dennoch ist es ein guter Film, der einige tolle
darstellerische Leistungen vorzuweisen hat und auf jeden Fall ein guterTipp für ein Kino-Rendezvous ist.
Glen Hansard: Junger Mann
Markéta Irglová: Mädchen (als Marketa Irglova)
Hugh Walsh: Timmy Drummer
Gerard Hendrick: Hauotgitarist (als Gerry Hendrick)
Alaistair Foley: Bassist
Geoff Minogue: Eamon
Bill Hodnett: Der Vater des jungen Mannes
Danuse Ktrestova: Die Mutter des Mädchens
Darren Healy: Heroinabhängiger
Mal Whyte: Bill
Marcella Plunkett: Ex-Freundin
Niall Cleary: Bob
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 Julie Christie und Gordon Pinsent
Die kanadische Schauspielerin Sarah Polley schrieb das Drehbuch und führte
Regie bei diesem Film nach einer Kurzgeschichte von Alice Munro.
Die sensible Darstellung eines glücklich verheirateten Ehepaares in seinen 60ern,
das sich mit den frühen Symptomen der Alzheimer Krankheit der Ehefrau auseinander
setzen muss, wäre eine großartige Leistung für jeden Drehbuchautor oder Regisseur,
aber noch mehr ist sie es für Polley, die bei der Filmveröffentlichung erst 27 Jahre alt war.
Grant und Fiona Anderssen (Julie Christie und Gordon Pinsent) feiern ihren 44.
Hochzeitstag, als sich bei Fiona die ersten beunruhigenden Symptome von Gedächtnis-
verlust und Verwirrung zeigen. Beide Partner sind sehr belesen und drücken sich gut
aus - er ist ein ehemaliger Universitätsprofessor. Sie setzen sich damit auseinander, was
vor ihnen liegt: Gedächtnisverlust, Verständnis- und eventuell Persönlichkeitsverlust,
wenn sich das Hirn langsam verändert. Grant möchte Fiona so lang wie möglich
daheim lassen, jedoch sie entscheidet sich dazu, in ein nahe gelegenes Pflegeheim
zu ziehen, so lange sie noch funktionieren kann und in sich stimmig ist.
Das Pflegeheim hat eine Vorschrift, dass neue Pflegebedürftige 30 Tage lang keine
Besucher empfangen dürfen, anscheinend damit der Übergang einfacher ist, jedoch
Schwester Kristy (Kirsten Thomsen) lässt Grant, der mit der Trennung von Fiona
kämpft, wissen, dass diese Regelung günstiger für das Pflegepersonal ist.
Während dieser 30 Tage beginnt Fiona sich für einen anderen Patienten zu
interessieren, den stillen, rollstuhlabhängigen Aubrey. Wenn Grant sie
schließlich besucht, scheint sie ihn nicht zu kennen, obwohl es Anzeichen
gibt, dass dies teilweise ihre Entscheidung ist und möglicherweise mit Sachen
zu tun hat, die vor vielen Jahren in ihrer Ehegeschichte passiert sind.
Grant kämpft mit der Situation und schließlich sucht er Marian (Olympia
Dukakis) auf, die Frau von Aubrey, das letzte Stück des Mosaiks.
Alle Rollen sind ausgezeichnet gespielt, die Geduld und versteckte Angst von
Grant, Fionas Würde und Verletzlichkeit, Marians Verbitterung und Über-
schwänglichkeit. Die Inszenierung bleibt einfach, lässt viel Zeit und Raum, damit
die Geschichte sich vor dem Hintergrund des kanadischen Winters und
Vorfrühlings entfalten kann. Eingewebt sind subtile Symbole, wie die sich
wiederholenden Bilder von Skispuren im Neuschnee, oder die Gedichte, die Grant
seiner Frau vorliest, ihr Zusammenleben spiegelnd.
Vielleicht sind die Schneeszenen und Gedichtlesungen, die distanzieren,
notwendig, um diese seelisch aufreibende Geschichte erträglich zu machen.
Denn sie zwingt den Zuschauer, sich wichtige Fragen über Liebe und Sterblichkeit zu
stellen, oder dazu, was er oder sie an Grants oder Fionas Stelle tun würden.
Julie Christie: Fiona Andersson
Gordon Pinsent: Grant Andersson
Olympia Dukakis: Marian
Stacey LaBerge: Die Junge Fiona
Deanna Dezmari: Veronica
Clare Coulter: Phoebe Hart
Thomas Hauff: William Hart
Alberta Watson: Dr. Fischer
Grace Lynn Kung: Die Krankenschwester Betty
Lili Francks: Theresa
Andrew Moodie: Liam
Wendy Crewson: Madeleine Montpellier
Judy Sinclair: Frau Albright
Tom Harvey: Michael
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Golden Door (Italien 2006)
Regisseur: Emanuele Crialese
Originaltitel: Nuovomondo
Der Filmtitel „Golden Door“ (Goldene Tür) in der englischen Version von Crialeses Geschichte über
sizilianische Einwanderer ist einem Gedicht von Emma Lazarus entnommen, das im Innern der Freiheitsstatue auf
einer Plakette eingraviert ist. Wörtlich übersetzt bedeutet „Nuovomondo“ Neue Welt. Der Film selbst ist fein
säuberlich in drei Teile gegliedert, Sizilien, die Schiffspassage und Ellis Island. Es ist eine einfache
Geschichte, die vielen von uns bekannt vorkommen wird. Sie handelt von Hoffnung, falschen Erwartungen und
der Realität. Überwiegend in Sizilien gedreht, hinterlässt „Golden Door“ beim Zuschauer den Eindruck, nicht
ganz fertig gestellt worden zu sein.
Salvatore Mancuso (Vincenzo Amato) ein armer sizilianischer Farmer, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts
dazu entschließt, zusammen mit seiner Mutter Fortunata (Aurora Quattrocchi) und den Söhnen Angelo (Francesco
Casisa) und Pietro (Filippo Pucillo) nach Amerika auszuwandern. Fortunata will ihre Heimat zunächst nicht
verlassen, aber die Hoffnung, Salvatore und seinen Zwillingsbruder wieder vereint zu sehen, veranlasst sie,
sich auf die Reise zu machen. Dennoch sträubt sie sich kraftvoll gegen alles Neue, Fremde oder Aufdringliche.
Salvatores blühende Fantasie in Bezug auf das, was ihn in der Neuen Welt erwartet – Flüsse, in denen Milch
fließt und Gemüse so groß, das es nicht auf eine Schubkarre passt – hilft ihm über das hinweg, was er
zurücklassen muss, und gibt ihm Mut für die beschwerliche Reise, die vor ihm und seiner Familie liegt.
Während sie an Bord des Schiffes gehen, treffen sie auf die mysteriöse Lucy Reed (Charlotte Gainsbourg).
Wie eine vornehme englische Dame wie sie dazu kommt, mit von bitterer Armut geplagten Sizilianern auf dem
Schiff zusammengepfercht die Überfahrt nach Amerika anzutreten, wird im Film nie wirklich erklärt. Salvatores
Leben jedoch wird danach nie wieder dasselbe sein. Nichtsdestotrotz macht der Mangel an charakterlichem Tiefgang
es für den Zuschauer schwierig, auch nur ansatzweise Mitleid für die Protagonisten des Films zu empfinden, und
lässt ihn darüber spekulieren, was denn nun eigentlich Sinn und Zweck des Films ist. Auf der anderen Seite
könnte genau dies die Ansicht Crialeses gewesen sein: Appetit auf eine Fortsetzung zu machen.
Charlotte Gainsbourg: Lucy Reed
Vincenzo Amato: Salvatore Mancuso
Aurora Quattrocchi: Fortunata Mancuso
Francesco Casisa: Angelo Mancuso
Filippo Pucillo: Pietro Mancuso
Federica De Cola: Rita D'Agostini
Isabella Ragonese: Rosa Napolitano
Vincent Schiavelli: Don Luigi
Massimo Laguardia: Mangiapane
Filippo Luna: Don Ercole
Andrea Prodan: Del Fiore
Ernesto Mahieux: Dr. Zampino
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Klimt (Österreich 2006)
Regisseur: Raoul Ruiz
Die Annahme ist weit verbreitet, dass jeder Film, in dem John Malkovich mitspielt, automatisch das Werk eines Genies sein muss und wenn der Zuschauer dies nicht erkennen kann, dann ist er das Problem. Allerdings ist dies ein ziemlich irritierender Film, in dem es oft schwer fällt zu sagen, welche Charaktere der Wirklichkeit entstammen und welche Produkte aus Klimts Fantasie sind. Der Film lässt sich auch nicht als Biographie beschreiben, denn es wird kaum ein Detail aus Klimts Leben gezeigt und die Handlung fokussiert sich fast ausschließlich auf eine Zeitperiode. Ruiz bezeichnet den Film als ein “Truggebilde“. Die Filmfigur selber ist das Stereotyp des rebellischen Künstlers, der sich den Behörden widersetzt und oft flucht. Seine Frauengeschichten eröffnen Regisseur Raoul Ruiz ein Feld für reichlich nackte Weiblichkeit und die Ära, in welcher der Film spielt, ermöglicht die Darstellung exzellenten Kostümdesigns. Jedoch nuschelt sich Malkovich eher durch den Film.
Es tritt auch eine ganze Reihe Lea de Castors auf, aber da sie alle von der selben Schauspielerin verkörpert werden, Saffron Burrows, ist es nach kurzer Zeit unmöglich sie zu unterscheiden. Der einfachste Weg zu beschreiben, worum es im Film eigentlich geht, ist unzweifelhaft Klimts Unterhaltung mit dem Dritten Minister der Ewigkeit (Stephen Dillane), aber auch hier ist alles bedeckt von Analogien, Hinweisen und Mystik. Ein Resultat dessen ist, dass die Ratlosigkeit des Zuschauers nur sehr geringfügig gemindert wird. Dies führt uns zur Sprache. Der Spanier Raoul Ruiz schrieb das Drehbuch auf Französisch. Danach wurde es auf Deutsch übersetzt für die Filmcrews an den österreichischen und deutschen Drehorten, bevor es dann für die Darsteller von Gilbert Adair ins Englische übersetzt wurde. Die österreichischen Charaktere unterhalten sich auf Englisch miteinander, was natürlich Deutsch darstellen soll. Seltsamerweise sprechen aber einige der Figuren tatsächlich auf Deutsch. Es steht zu vermuten, dass dies geschah, um zu zeigen, dass die gesamte Kunstgemeinde innerhalb ihrer eigenen Blase lebt. Nichtsdestotrotz wird der Zuschauer in diesem Film nichts über Klimt erfahren, allerdings kann man viel nackte Haut und nette Kostüme sehen. Es ist Programmkino, es ist Erotik und es ist außerdem nicht wirklich gut.
John Malkovich: Gustav Klimt
Veronica Ferres: Emilie Flöge
Stephen Dillane: Secretary
Saffron Burrows: Lea de Castro
Sandra Ceccarelli: Serena Lederer
Nikolai Kinski: Egon Schiele
Aglaia Szyszkowitz: Mizzi
Joachim Bissmeier: Hugo Moritz
Ernst Stötzner: Minister Hartl
Paul Hilton: Duke Octave Herzog
Annemarie Düringer: Klimt's Mother
Irina Wanka: Berta Zuckerkandl
Florentín Groll: Messerschmidt (als Florentin Groll)
Miguel Herz-Kestranek: Dr. Stein
Marion Mitterhammer: Hermine Klimt
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Der Tod des Herrn Lazarescu (Rümanien 2005)
Director: Cristi Puiu
Originaltitel: Moartea domnului Lazarescu
 Ioan Fiscuteanu und Luminita Gheorghiu © Tartan Films 2005
Diese schwarze Komödie aus Rumänien zeigt die dunkle Seite der medizinischen Gesundheitsversorgung. Dante
Remus Lazarescu, ein mürrischer 62-jähriger Witwer, der allein mit seinen drei Katzen lebt, ruft eines
Samstagabends den Rettungsdienst und klagt über dauernde Übelkeit und Kopfschmerzen. Seine Nachbarn bieten
widerwillig ihre Hilfe an, während er auf den Notarzt wartet, sind aber mehr um ihr Quittengelee als um
Lazarescue besorgt und davon überzeugt, dass er nur an den Auswirkungen eines Katers leidet.
Als der Krankenwagen endlich eintrifft, versucht der Sanitäter zuerst, Lazarescue mit der Verabreichung
von Vitaminen und Glukose abzuspeisen. Es dauert allerdings nicht lange, bis Lazarescue aufsteht und Blut
erbricht. So schafft er es schließlich auch in den Wagen der Ambulanz… jedoch nur, um stundenlang durch
die Gegend gefahren zu werden – eine albtraumhafte Reise, währenddessen sich sein Gesundheitszustand rapide
verschlechtert und er sich überarbeitetem und arrogantem medizinischen Personal ausgesetzt sieht, das oftmals
mit eigenen Plänen und persönlichen Flirts beschäftigt ist. Bis zum Ende des Films wird Lazarescue mehrmals
fehldiagnostiziert, wiederholt über seinen Alkoholkonsum belehrt und von Krankenhaus zu Krankenhaus gefahren,
ohne ein einziges Mal die medizinische Versorgung zu erhalten, die er braucht. Die einzige Person, die ihm
beisteht, ist die Ambulanzbegleiterin Mioara, auch wenn sie angesichts der überheblichen Ärzte, die nichts
auf die Meinung einer Sanitäterin geben, meist nur wenig für ihn tun kann.
Am Ende des Films ist Mioara zur Hauptfigur geworden und Lazarescue nicht viel mehr als ein hilfloses und
erbärmliches Objekt, fast komatös und nicht mehr in der Lage, an ihn gerichtete Fragen und Anschuldigungen
zu verstehen, geschweige denn, ihnen entsprechend zu begegnen. Seine Reise durch die medizinische Versorgungshölle
(der Vornahme „Dante“ ist für ihn sicherlich nicht zufällig gewählt worden) ist fast vorbei. Wenigstens Mioara hat
für ihn getan, was sie konnte und ist letztlich die einzige Person, der Lazarescue nicht egal ist – im Gegensatz
zu seinen Nachbarn, seiner Schwester, seiner entfremdeten Tochter und natürlich zum Rest des medizinischen Personals,
dem er während seiner Odyssee im Notarztwagen begegnet. Mioaras Fürsorge und Hartnäckigkeit sind es letzten Endes
auch, die den Film aus seiner tiefen und ungelinderten Verzweiflung reißen.
Ion Fiscuteanu: Domnul Lazarescu
Doru Ana: Sandu Sterian
Monica Dean: Mariana (als Monica Barladeanu)
Luminita Gheorghiu: Mioara Avram
Alina Berzunteanu: Dr. Zamfir
Doru Boguta: Rettungsdienst
Mimi Branescu: Dr. Mirica
Mihai Bratila: Dr. Breslasu
Dragos Bucur: Misu
Robert Bumbes: Robert
Dan Chiriac: Mediziner Triage Spitalui Universität
Mirela Cioaba: Marioara
Laura Cret: Medizinerin ecograf, Spitalui Sf. Spiridon
Dana Dogaru: Mihaela Sterian
Bogdan Dumitrache: Mediziner, Spitalui Sf. Spiridon
Alexandru Fifea: Krankenwärter, Spitalui Sf. Spiridon
Florina Alina Gleznea: Assistentin, Spitalui Sf. Spiridon
Tudor Hristescu: Dr. Kelemen
Rodica Ionescu: Assistant, Spitalui Universität
Cerasela Iosifescu: Assistant, Spitalui Filaret
Irina Kozsar: Assistant, Spitalui Universität
Iulia Lazar: Assistant. Spitalui Filaret
Rodica Lazar: Dr. Laura Serban
Serban Pavlu: Gelu
Simona Popescu: Assistant, Spitalui Bagdasar
Alexandru Potocean: Krankenwärter, Spitualui Bagdasar (als Alexandru Cristian Potocean)
Calin Adrian Pula: Krankenwärter, Spitalui Universität
Anca Puiu: Vecina
Emil Puiu: Dl. Sandu
Iuliana Puiu: Dna. Sanui
Smaranda Puiu: Smaranda
Gabriel Spahiu: Leo
Jean Lorin Sterian: Mediziner, Spitalui Universität
Mariana Stoica: Patientin, Spitalui Sf. Spiridon
Maria Serb: Assistant, Spitalui Bagdasar
Andrei Serban: Krankenwärter, Spitalui Sf. Spiridon
Adrian Titieni: Dr. Dragos Popescu
Cristian Turungiu: Krankenwärter, Spitalui Universität
Clara Voda: Dr. Gina Filip
Ionel Zaharia: Krankenwärter, Spitalui Universität
Florin Zamfirescu: Dr. Ardelean
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Alles auf Zucker (Deutschland 2004)
Regisseur: Dani Levy
Jackie Zucker (Henry Hübchen) liebt das Glücksspiel. Und wie alle leidenschaftlichen Glücksspieler
lebt auch er nach der Devise: „Alles oder Nichts“. Sehr zum Leidwesen seiner Frau Marlene (Hannelore
Elsner) springt für ihn meistens Letzteres dabei heraus, ganz gleich, bei welchem Einsatz. Folglich
ist es um seine Ehe nicht gerade zum Besten bestellt, seine Tochter (Anja Franke) hat sich von ihm
abgewandt, und seinem Sohn (Steffen Groth), einem ambitionierten Banker, ist der ständig in
finanziellen Schwierigkeiten steckende Vater beim Erklimmen der Karriereleiter ein Klotz am Bein.
Auch gegenwärtig hat der arbeitslose Ex-DDR-Sportreporter keine Glückssträhne: Seine Frau will
ihn endgültig verlassen, und der Gerichtsvollzieher droht ihm bei nicht umgehender Begleichung seiner
Spielschulden mit einer Haftstrafe. Rien ne vas plus also für den Lebemann, so scheint es zumindest.
Doch als Jackie per Zufall von einem mit 100.000 Euro dotierten Billardturnier erfährt, ist sich der
talentierte Poolspieler sicher, dass da doch noch was geht.
Mitten in die Wettkampfsvorbereitungen platzt die Nachricht vom Tod seiner Mutter. Jackies Bruder
Samuel (Udo Samel), ein orthodoxer Jude, der seinerzeit mit der Mutter in den Westen geflüchtet ist,
informiert ihn in einem Telegramm über die anstehende Erbschaft. Einziger Haken: Der letzte Wille
der Mutter verlangt, dass sich die beiden Brüder nach jüdischem Gesetz während der sich an die
Beerdigung anschließenden sieben Tage langen Shiva versöhnen.
Nichts könnte Jackie, einem überzeugten Kommunisten, ferner liegen, aber die Aussicht auf den
finanziellen Segen sowie der Druck seitens seiner Frau Marlene veranlassen ihn dazu, die
strenggläubige Verwandtschaft anreisen zu lassen. Dass das Wiedersehen der feindlichen Brüder
nicht ganz koscher vonstatten gehen kann, ist so klar wie die Tatsache, dass Jackie nur wegen
des Testaments seiner Mutter nicht auf die Turnierteilnahme verzichten wird. Les jeux sont faits?
Nicht für Jackie Zucker…
Levys Film ist nicht umsonst mit sechs Deutschen Filmpreisen (Lolas) ausgezeichnet worden. Von
der hervorragenden Leistung seiner Darsteller, allen voran Henry Hübchen, abgesehen, prescht die
Komödie frisch, fromm, fröhlich, frei in so viele Tabuthemen des Genres auf einmal vor, dass man
die dabei an den Tag gelegte Dreistigkeit einfach bewundern muss: Ossi trifft Wessi, Orthodoxie
auf Laissez-faire, deutscher Film mit jüdischen Witzen. Und was lernen wir daraus? Humor ist,
wenn man trotzdem lacht. Mazeltov!
Henry Hübchen: Jackie Zucker
Hannelore Elsner: Marlene Zucker
Udo Samel: Samuel 'Schmul' Zuckermann
Golda Tencer: Golda Zuckermann
Steffen Groth: Thomas Zucker
Anja Franke: Jana Zucker
Sebastian Blomberg: Joshua Zuckermann
Elena Uhlig: Lilly Zuckermann
Rolf Hoppe: Rabbi Ernst Ginsberg
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In einem kleinen Dorf lebt der „Kandlerwirt“ Lorenz mit seinen beiden jungen Söhnen Franz und Sebastian.
Den Gasthof betreibt er seit dem Tod seiner Frau nun schon jahrelang allein, und so mehren sich die Stimmen,
dass es langsam an der Zeit wäre für eine neue Frau im Haus.
Als der 11-jährige Sebastian zufällig erfährt, dass seine Mutter bei seiner Geburt gestorben ist,
beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Sebastian, der ein für sein Alter beeindruckendes Sündenregister
vorzuweisen hat, fühlt sich fortan auch schuldig am Tod seiner Mutter. Da er, wie er meint, nach seinem Tode auf
jeden Fall im Fegefeuer landen wird, setzt er alles daran, sich von seinen Sünden reinzuwaschen. Die Stammtischler
in der Wirtschaft seines Vaters stehen ihm dabei mit freundschaftlichem Rat zur Seite. Sebastians Übereifer führt
jedoch nicht zum gewünschten Erfolg: ein gesprengter Hase, ein unsittlicher Antrag an seine Lehrerin Veronika,
eine beinahe zu Tode gebrachte Greisin aus der Nachbarschaft – das alles verbessert die Situation nicht gerade.
Die Erlösung scheint jedoch nahe, als sich Lorenz wundersamer Weise in Veronika, Sebastians Lehrerin,
verliebt. Da Sebastian Lorenz' Zuneigung zu Veronika irrtümlicherweise für ein Zeichen seiner toten Mutter hält,
findet er sich schon bald in der Rolle des Kupplers wieder, fest davon überzeugt, dass ihm der Himmel wieder offen
steht, wenn er hilft, für seinen Vater eine neue Frau zu finden. Gewitterwolken bedrohen den siebten Himmel der
Liebe, als Sebastian herausfindet, dass Veronika mit Alfred verheiratet ist. Für den Jungen steht fest: Alfred
muss sterben…
„Wer früher stirbt, ist länger tot“ ist eine schwarze Komödie, die es mit jedem verschreibungspflichtigen
Stimmungsaufheller aufnehmen kann – ohne Nebenwirkungen, versteht sich. Auf subtile und feinsinnige Art und Weise
schildert sie die Ängste und Zwänge des Erwachsenwerdens mit beißendem Humor, gewährt abgrundtiefe Einblicke in
die leicht irrezuführende Kinderseele und die Unzulänglichkeiten der erwachsenen und webt somit den Stoff, aus
dem jugendliche Albträume sind. Jeder, der sich an die Zeiten erinnern kann, in denen man sich an den Pforten
zur Hölle glaubte, weil man die Großmutter um ein wenig Kleingeld betrogen oder mit Absicht die Brille des
Klassenkameraden zerbrochen hat, wird sich teuflisch gut amüsieren.
Markus Krojer: Sebastian Schneider
Fritz Karl: Lorenz Schneider
Jürgen Tonkel: Alfred Dorstreiter
Jule Ronstedt: Veronika Dorstreiter
Saskia Vester: Frau Kramer
Franz Xaver Brückner: Franz
Hans Schuler: Graudinger (als Johann Schuler)
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Fateless (Ungarn 2005)
Regisseur: Lajos Koltai
Originaltitel: Sorstalanság
„Fateless“ erzählt vom Leidensweg des 15-jährigen Jungen György Koves (Marcell Nagy), der in die
Vernichtungsmaschinerie der Nazis gerät, durch Zufall überlebt, und innerlich und äußerlich schwer gezeichnet
schließlich ins Nachkriegs-Budapest zurückkehrt.
Zu Beginn des Films sind die Juden in Budapest nicht sonderlich beunruhigt, als einige Männer ins Arbeitslager
abtransportiert werden. Auch Györgys Vater wird abgeholt, nachdem er ein letztes Mal seine Familie zusammenführt,
um Abschied von seinen Angehörigen zu nehmen. Der Junge selbst muss in einer Fabrik am Stadtrand arbeiten.
Eines Morgens werden er und viele weitere Juden auf dem Weg zur Arbeit, trotz gültiger Passierscheine, verhaftet.
Das ist der Beginn einer schrecklichen Odyssee, die für György durch die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald
und Zeitz führt.
Der ungarische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Imre Kertész hatte sich lange Zeit geweigert, einer
Verfilmung seines Bestsellers Roman eines Schicksallosen zuzustimmen. Als Kameramann Lajos Koltai sich das
Holocaust-Drama für sein Spielfilmdebüt aussuchte, änderte Kertész seine Meinung und war sogar gewillt, das
Drehbuch zu schreiben. Aus diesem Grund hat er die Geschichte mit autobiografischen Einzelheiten angereichert. Auch
Kertész durchlitt als Jugendlicher die Qualen in Auschwitz und Birkenau und versuchte mit seinem Roman das nicht
Verstehbare des eigenen Schicksals zu benennen. Weil der Autor auch die Schuld der Ungarn am Mord ungarischer
Juden thematisiert, war Kertész in seinem Heimatland lange Zeit nicht geschätzt.
Koltais Bemühen um Authentizität, hervorgerufen durch die Fixierung auf ein Einzelschicksal, funktioniert dank
exzellenter Schauspielleistungen. So versucht György seiner verständnislosen Umwelt klarzumachen, dass das Lager
keine Hölle ist. „Der Unterschied ist“, sagt er, „die Hölle gibt es nicht, das Lager schon.“
Die beklemmende, nicht distanzierte Sicht auf den Holocaust unterscheidet sich von Filmen wie Schindlers Liste
und Der Pianist gewollt deutlich. Die digitale Nachbearbeitung generiert monochrome Bilder, die im Widerspruch zum
Dargestellten ästhetisch angenehm wirken. Mag Ennio Morricones Filmmusik für manche eine Spur zu pathetisch geraten
sein und an dessen alte Western-Scores erinnern, mag man dem Film auch vorwerfen, er nehme eine zu naiv-kindliche
Perspektive ein, so ist Lajos Koltais Versuch einer ganz eigenen Umsetzung der Holocaust-Thematik dennoch
wirklich gelungen.
Marcell Nagy: György Koves
János Bán: Vater
Judit Schell: Stiefmutter
Aára Herrer: Annamaria
Aron Dimeny: Bandi Citrom
Andras M. Kecskes: Finn
Joszef Gyabronka: Unglücklicher Mann
Daniel Craig: Amerikanischer Sergeant
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Dieses urkomische und zeitlose biblische Epos der Pythontruppe folgt dem Lebensweg des glücklosen Brian
Cohen (Graham Chapman) bei den Versuchen, gegen die Besetzung Judeas durch das Römische Imperium zu rebellieren,
indem er sich Judeas Volksfront anschließt (oder ist es die Volksfront von Judea?) Die Filmskizzen sind clever
miteinander verwoben, und der Film bietet einen klassischen Moment nach dem anderen, wenn sich John Cleese,
Terry Jones, Eric Idle, Terry Gilliam und Michael Palin Chapman anschließen, um die eher lächerlichen Stellen
der Bibelgeschichte auf die Schippe zu nehmen. Erstaunlicherweise wurde diesem Film damals vorgeworfen blasphemisch
zu sein, und die religiöse Bruderschaft schaffte es gar, den Film aus einigen Kinos zu verbannen. Heute dagegen
scheint er eher eine harmlose Satire zu sein.
Aus dem Sammelsurium stechen diverse Momente besonders hervor, darunter Cleese
als Römischer Zenturio, der die haarsträubende lateinische Grammatik von Brians'
ani-römischen Graffiti in der Art eines gemeinen Lateinlehrers korrigiert.
Andere Szenen wie Jones' Darstellung als Brians Mutter, die seine Anhänger anspricht,
haben solche berühmten Pythonzitate hervorgebracht wie „Er ist nicht der Messias, er
ist ein sehr bösartiger Junge.“ Idle spielt überragend in vielen Rollen, aber besonders
erwähnenswert als Basarinhaber, der sich weigert, einen Bart an den flüchtenden Brian zu
verkaufen, ohne in altmodischer Weise zu feilschen.
Dieser Film bietet so viel mehr, was den Test der Zeit besteht, so dass meine beste Anweisung ist: Aufhören,
die Rezension zu lesen und ab in die Videothek!
Graham Chapman: Brian Cohen, Biggus Dickus
John Cleese: Reg, Jewish Official, Centurion, Deadly Dirk, Arthur
Terry Gilliam: Jailer, Northern Irish Prophet, Frank, Audience Member, Crucifee
Eric Idle: Mr. Cheeky, Stan (Loretta), Harry the Haggler, Culprit Woman, Warris, Intensely Dull Youth, Jailer's Assistant, Otto, Lead Singer Crucifee
Terry Jones: Mandy Cohen, Colin, Simon the Holy Man, Helpful By-passer, Alarmed Crucifixion Assistant
Michael Palin: Big Nose, Francis, Ex-Leper Beggar, Announcer, Ben, Pontius Pilate, Boring Prophet, Eddie, Shoe Worshipper, Nisus Wettus
Terence Bayler: Gregory
Carol Cleveland: Mrs Gregory
Kenneth Colley: Jesus
Neil Innes: Weedy Samaritan
Gwen Taylor: Mrs. Big Nose
Sue Jones-Davies: Judith
John Young: Matthias, Son of Deuteronomy of Gath
Chris Langham: Alfonso, Giggling Guard
Spike Milligan: Spike
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Batalla en el cielo (Mexiko 2004)
Regisseur: Carlos Reygadas
 Anapola Mushkadiz © Tartan Films 2005
Der Film beginnt mit einer Sexszene, in der kein einziges Wort gesprochen wird, und vielleicht ist es das
einzige, woran man sich bei Battle in Heaven erinnert. Obwohl Marcos Hernández' Darstellung als Chauffeur
eines Mexikanischen Generals gezielt unterspielt ist, so mangelt es ihm doch an einer Resonanz in jeder
Situation. Das reicht vom Tod eines Babys, das er entführt hat bis zum Oralverkehr mit der Frau seines
Bosses und lässt lediglich den Schluss zu, dass er von dem ganzen Filmprojekt unglaublich gelangweilt war.
Momente des Schweigens, in denen nichts passiert, treten immer wieder auf und tragen anscheinend nichts
zur Handlung des Films bei. Der Chauffeur ist die meiste Zeit so missmutig und apathisch, dass man sich
wundert, warum das Baby ihm nicht davonläuft. Anapola Mushkadiz gibt eine mutige Vorstellung als Tochter
des Generals, die in einem erstklassigen Bordell arbeitet, um der Langeweile zu entfliehen. Aber sie alleine
kann den Film nicht retten. Die Sexszenen kommen zwar realistisch rüber, aber auch sie scheinen für den Plot
unnötig zu sein.
Als er in einem Interview gefragt wurde, was der Titel des Films bedeute, war Reygadas Antwort in etwa diese:
„Ihre Vorschläge könnten so gut wie meine sein." Sie werden diesen Satz selbst oft sagen, wenn Sie mit jemandem,
der den Film ebenfalls gesehen hat, diskutieren.
Marcos Hernández: Marcos
Anapola Mushkadiz: Ana
Bertha Ruiz: Marcos Frau
David Bornstein: Jaime
Rosalinda Ramirez: Viky
El Abuelo: Polizeichef
Brenda Angulo: Madame
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In Vandas Zimmer (Portugal 2000)
Regisseur: Pedro Costa
Originaltitel: No Quarto da Vanda
Costas' bedrückendes Werk ist angesiedelt in den Slums von Fonthainas, einem Stadtteil von Lissabon und erzählt
vom Leben der Drogensüchtigen, die dort leben. Verschiedene Freunde von Vanda, so auch Nhurro, ihr Freund aus
Kindertagen, kommen in ihre Bude, jeder mit seiner eigenen Geschichte von Verzweiflung und Armut. In diesem Film
werden Drogen ununterbrochen konsumiert und die zentralen Charaktere, obwohl sie sich selbst bemitleiden, rufen
kein Mitgefühl beim Zuschauer hervor.
Die wiederkehrenden Themen von Armut, Obdachlosigkeit und Bagatelldelikten bilden die Kulisse für belanglose
und inhaltsleere Unterhaltungen. Ausgenommen Sie mögen es, Leute beim Heroinspritzen zu beobachten, die sich
permanent selbst bemitleiden, sollten Sie besser die Finger hiervon lassen.
Lena Duarte
Vanda Duarte
Zita Duarte
Pedro Lanban
António Moreno
Paulo Nunes
Fernando Paixão
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Fido (Kanada 2006)
Regisseur: Andrew Currie
Stell dir eine Farbfilmnachbarschaft im Stil der 1950er Jahre vor, in der die Mädels mit Pferdeschwanz
Seilspringen während die Jungs im Bürstenschnitt auf ihren Fahrrädern durch die Gegend rasen und Sprüche wie
„Meine Fresse“ sagen. Anstelle von treuen Hunden, die hinter ihnen mit ihren Schwänzen wedeln, sind es ihre
treuen Zombies, die ihrer Leine folgen. Dank der genialen Erfindung eines angespornten Wissenschaftlers haben
diese untoten Kreaturen nicht länger die Begierde nach Gehirnen, sondern sind so zahm wie ein Haustier und
übernehmen die verschiedensten Rollen in diesem Nirvana...Butler, Milchmänner, Gärtner und ähm, nun...
Lebensgefährten.
Die Szenerie und Kostüme sind perfekt und ein Ensemble hochtalentierter Schauspieler scheint einen spielend
leicht in diese verrückte Welt zu ziehen, wobei ganz besonders eine Schauspielerin erwähnt werden muss. Carrie-Ann
Moss (The Matrix) gibt eine außerordentlich glaubwürdige Vorstellung als Helen Robinson ab, die perfekte Mutter
des kleinen Timmy Robinson, gespielt von K'Sun Ray, mit einer Prise neuzeitlicher „Schnall-es-selber-Bob“-Einstellung.
Timmy wächst sein Zombie ans Herz wie einem Jungen Lassie, und diese Loyalität ist das Kennzeichen der wachsenden
Beziehung zwischen den beiden.
Fido ist eine einzigartige Melange aus Amerikana- (und obgleich in der Tat kanadisch) und Zombie-Kultur. Es
lohnt sich wirklich, diese originelle Zusammenarbeit dreier praktisch unbekannter Autoren (Robert Comiak,
Andrew Currie und Dennis Heaton) anzuschauen. Sogar die Empfindlichen unter uns würden diesem Film grünes
Licht geben. Dieser lohnende Aufwand lässt einen wundern, was die Autoren als nächstes hervorzaubern, sollten
ihre Kräfte einmal mehr vereint werden.
Carrie-Anne Moss: Helen Robinson
Billy Connolly: Fido
Dylan Baker: Bill Robinson
K'Sun Ray: Timmy Robinson
Tim Blake Nelson: Mr. Theopolis
Henry Czerny: Mr. Bottoms
Sonja Bennett: Tammy
Jennifer Clement: Dee Dee Bottoms
Rob LaBelle: Frank Murphy
Aaron Brown: Roy Fraser
Brandon Olds: Stan Fraser
Alexia Fast: Cindy Bottoms
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El Violin (Mexiko 2005)
Regisseur: Francisco Varga
 Ángel Tavira
Francisco Vargas erster Spielfilm El Violin spielt während der Mexikanischen Kleinbauernrevolten der 1970er Jahre.
Don Plutarco (Ángel Tavira), sein Sohn Genaro (Gerardo Taracena) und Enkel Lucio (Mario Garibaldi) repräsentieren
drei Generationen von Kleinbauern, die gegen Armut und Repression des immer gegenwärtigen Militärs ankämpfen.
Tavira gibt eine außergewöhnliche Darstellung als Violine spielender Patriarch der Familie. Die Beziehung, die er
zum Karriereoffizier Dagoberto Gama aufbaut und entwickelt, führt den Zuschauer weg vom einschichtigen
Gut-und-Böse-Stillstand. Gamas Charakter, El Capitán, schätzt Musik und zeigt viel Mitgefühl für Plutarco.
Gelegentlich droht er von seiner zentralen Loyalität abzuweichen, welche dem Militär und dessen Anweisungen
gebührt. Vargas führt den Betrachter auf einen wirren Trampelpfad und lässt ihn sich fragen, welche Seite der
Persönlichkeit des Soldaten am Ende siegen wird.
Vargas versteckt nicht das Unrecht einer Armee, welche die lokale indigene Bevölkerung unterdrückt, aber dies
bildet nicht das Kernstück des Films. Aufgenommen in schwarz-weiß mag das langsame Tempo jene entnerven, die ein
schnelleres Tempo gewöhnt sind, aber dieser Film ist schon allein wegen der Vorstellung des 81-jährigen
Laiendarstellers Tavira sehenswert.
Ángel Tavira: Don Plutarco
Gerardo Taracena: Genaro
Dagoberto Gama: Capitán
Mario Garibaldi: Lucio
Fermín Martínez: Teniente
Silverio Palacios: Comandante Cayetano
Octavio Castro: Zacarías
Mercedes Hernández: Jacinta
Gerardo Juárez: Pedro
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 Christiane Hörbiger und Piet Klocke
Es war einmal, vor langer Zeit, als Großmutters geliebte Kaffeemühle es noch wert war, den meistgesuchten
Räuber der Umgebung zur Strecke zu bringen. Besagte Kaffeemühle befand sich im Besitz besagter Großmutter
(Christiane Hörbiger), bevor sie aufgrund der Kurzsichtigkeit derselben in die Hände des besagten Räubers
(Armin Rohde) fiel. Kasperl (Martin Stührk) und Seppel (Manuel Steitz), zwei unzertrennliche Freunde, suchen,
nachdem sie von der Großmutter alarmiert wurden, zunächst Hilfe bei Wachtmeister Dimpfelmoser (Piet Klocke),
dem der Räuber Hotzenplotz bisher allerdings durch die zugegebenermaßen recht ungeschickten Finger geschlüpft ist.
Guter Rat ist teuer, eine gute Idee Gold wert, und so wollen Kasperl und Seppel ihrerseits den Räuber mit
einer mit Sand gefüllten Kiste fangen, auf die sie „Vorsicht Gold“ gepinselt haben. Wie es perfekte Pläne so
an sich haben, geht auch dieser Plan gründlich daneben, und es bedarf den vereinten Kräften der staatlich
geprüften Hellseherin Portiunkula Schlotterbeck (Katharina Thalbach) und der Fee Amaryllis (Barbara Schöneberger),
die vom Zauberer Petrosilius Zwackelmann (Rufus Beck) in eine Kröte verwandelt wurde, um den Räuber Hotzenplotz
dingfest zu machen.
Der Kasperl, der Seppel, die Großmutter, der Räuber, der Polizist, der böse Zauberer und die gute Fee: In Gernot
Rolls „Der Räuber Hotzenplotz“ geben sich alle Charaktere, die in einem richtigen Kasperletheater nicht fehlen dürfen,
ein Stelldichein. Die Darsteller, bestehend aus Deutschlands erster Film- und Fernsehprominenz, sind allesamt mir einem
diebischen Vergnügen bei der Sache, das dem Kinderbuchklassiker von Ottfried Preußler alle Ehre macht – zu Recht,
beflügelte es doch die Phantasie von Millionen von Kindern weltweit und brachte ihnen bei, dass das Gute dem Bösen
immer um eine Knallpilzsuppe voraus ist.
Rolls originalgetreue Realverfilmung von Preußlers „Hotzenplotz“ vermittelt dies mit so viel Einfühlungsvermögen,
dass es im Publikum Kinder geben soll, die auch in den knapp 35 Jahren, die seit dem Erscheinen des Buches vergangen
sind, immer noch darauf brennen, auf Kasperls Frage „Kinder, seid ihr alle da?“ mit einem donnernden „Jaaaaaaaaaaa!“
zu antworten.
Armin Rohde: Räuber Hotzenplotz
Martin Stührk: Kasperl
Manuel Steitz: Seppel
Rufus Beck: Petrosilius Zwackelmann
Katharina Thalbach: Portiunkula Schlotterbeck
Piet Klocke: Wachtmeister Dimpfelmoser
Barbara Schöneberger: Fee Amaryllis
Christiane Hörbiger: Großmutter
Armin Maiwald: Fotograf
Paul Maar: Assistent des Fotografen
Jürgen Schopper: Die magische Hand
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Hänsel und Gretel (Deutschland 2005)
Regisseurin: Anne Wild
 Nastassja Hahn und Johann Storm
„Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“ Die altbekannte Frage der bösen Hexe, die
immer noch Kinder auf der ganzen Welt zusammenzucken lässt, weil sie genau wissen, was folgt: der glühendheiße
Ofen, in dem kleine Kinder gebraten und anschließend von der Hexe aufgefressen werden. Das ist der Stoff, aus
dem kindliche Albträume sind, wussten schon die Gebrüder Grimm und woben das Märchen zusammen, das seither in
keiner Sammlung von Gute-Nacht-Geschichten fehlen darf, die etwas auf sich hält.
Anne Wilds Film-Adaption des Grimm'schen Märchens zaubert ihn scheinbar mühelos wieder herbei diesen Schauder
aus Kindheitstagen, die Gänsehaut und die sich sträubenden Nackenhaare; die Zerrissenheit zwischen dem Wunsch,
sich die Bettdecke über das Gesicht zu ziehen und dem gleichzeitigen Verlangen, im Schutz der Dunkelheit mit weit
aufgerissenen Augen dem Fortlauf der Geschichte zu lauschen.
Es ist die Geschichte von den Geschwistern Hänsel und Gretel (Johann Storm und Nastassja Hahn), die von ihrem
Vater (Henning Peker), einem armen Holzfäller, der seine Familie nicht mehr ernähren kann, und ihrer Stiefmutter
(Claudia Geisler), der die Kinder aus der früheren Ehe ihres verwitweten Mannes von Anfang an ein Dorn im Auge waren,
allein im Wald zurückgelassen werden. Unfähig nach Hause zurück zu finden, gelangen sie schließlich hungrig und müde
an das Lebkuchenhaus der Hexe (Sibylle Canonica), die, wie sich schnell herausstellt, Kinder zum Fressen gern hat.
Als ihr Bruder Hänsel in einen Käfig eingesperrt und für die Schlachtung gemästet wird, ist es an Gretel, einen Ausweg
zu finden…
Die großartige Leistung der beiden Jungdarsteller, die Poesie des Drehbuchs und die verstörend schöne Musik der
norwegischen Künstlerin Mari Boine lassen Wilds Film unter die Haut gehen. Dort breitet er sich aus wie ein Fieber,
das die Wangen glühen lässt, während auf der Stirn kalt der Angstschweiß perlt.
Sibylle Canonica: Hexe
Johann Storm: Hänsel
Nastassja Hahn: Gretel
Henning Peker: Vater
Claudia Geisler: Mutter
Christian Habicht: Waldbauer
Christian Steyer: Erzähler (Stimme)
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Taxidermia (Ungarn 2006)
Regisseur: György Pálfi
 © Tartan Films 2006
György Pálfis zweiter Spielfilm, basierend auf den Kurzgeschichten von Lajos Parti Nagy, versucht erst gar
nicht, den Zuschauer im Unklaren darüber zu lassen, was ihn im Folgenden erwartet: Bereits in der ersten Szene
setzt Protagonist Lt Morosgoványi Vendel (Csaba Czene) seine Männlichkeit in Brand, und in der gleichen Tonart
geht's dann weiter bis zum Schluss. Viel ist es nicht, was einem hier an Verderbtheit und Demoralisation erspart
bleibt, zeichnet „Taxidermia“ doch insgesamt die Geschichten drei Generationen nach, bei deren jeweiligen
Vertretern das Abnormale normal ist.
Der Film ist in drei Teile gegliedert, beginnend mit dem Soldaten als Hauptfigur des ersten und seinem
unehelichen Sohn Balatony Kálmán (Gergely Trócsányi), der den ungarischen Honved Club in der „sportlichen“
Disziplin des Wettfressens vertritt, als Hauptfigur des zweiten Teils. Das Gruppenerbrechen der Clubmitglieder
zur Vorbereitung auf den nächsten Wettbewerb gibt Pálfi und seinem Co-Autoren Zsófia Ruttkay reichlich Gelegenheit,
beim Zuschauer anhaltende Übelkeit zu erregen.
Der deutsche Schauspieler Marc Bischoff ist der Protagonist des dritten Teils, in dem er einen sexhungrigen
Tierpräparator spielt, der sich um Kálmán, seinen aufgedunsenen und alternden Vater, kümmern muss. Angewidert
von der Fresssucht seines Vaters geht er seinem eigenen unwirklichen Leben als Tierpräparator nach – während
Kálmán zu Hause sinnigerweise seine Katzen im Wettfressen unterrichtet.
Ob man diesen Film nun als eine tief greifende Untersuchung der menschlichen Faszination mit der eigenen
Physik ansehen, oder als den Versuch eines müßigen Regisseurs, der mit der Darstellung abstoßender Körperfunktionen
billige Effekthascherei betreibt (ein Quasi-Abklatsch von Monty Pythons „Der Sinn des Lebens“), sei dem Zuschauer
selbst überlassen. Kindern würde ich den Film jedoch nicht unbedingt ans Herz legen wollen. Und wo wir schon dabei
sind, Großmüttern auch nicht.
Csaba Czene: Morosgoványi Vendel
Gergely Trócsányi: Balatony Kálmán
Piroska Molnár: Hadnagyné
Adél Stanczel: Aczél Gizi
Marc Bischoff: Balatony Lajoska
Gábor Máté: Öreg Balatony Kálmán
Zoltán Koppány: Miszlényi Béla
Géza D. Hegedüs: Dr. Regõczy Andor
Erwin Leder: Krisztián
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Honor de cavalleria (Spanien 2006)
Regisseur: Albert Serra
 Lluís Carbó
„Honor de cavalleria” orientiert sich offensichtlich an Cervantes' Klassiker über den wandernden Ritter Don
Quijote und seinen treuen Knappen Sancho Panza, jedoch ist dieser Don Quijote am Ende seiner Karriere, müde und
besessen von religiösen Wahnvorstellungen. Der Entwurf für den Film mag vielleicht interessant gewesen sein,
seine Umsetzung ist es nicht. Langwierige und witzlose Szenen handeln von nichts anderem, als dass Quijote in
einem Feld sitzt, während Sancho Lorbeerblätter pflückt, oder dass die beiden durch eine öde Landschaft reiten.
Als in einer Szene plötzlich tatsächlich etwas passiert, wird im weiteren Verlauf des Films unbefriedigenderweise
nicht darauf eingegangen.
In „Honor de cavalleria” passieren keine Abenteuer, es wird nicht wiedergegeben, wie die beiden Protagonisten
miteinander leben; nur die tägliche Trostlosigkeit und gelegentliche persönliche Reibereien werden gezeigt. Lluis
Carbos Quijote ist mürrisch und zerstreut, sein Sancho stoisch und phlegmatisch. Es gibt vereinzelte rührende Szenen,
aber meistens sind sie schlecht gespielt und machen, gemessen an der langjährigen Freundschaft der beiden, nur wenig
Sinn. Mitunter wirkt der Film wie ein billiger Reisebericht durch Katalonien. Wer Spaß daran hat, eine Fototapete mit
schroffen Hügeln und überwucherten Feldern in Spielfilmlänge anzusehen, für den mag dieser Film vielleicht etwas sein.
Alle anderen sollten ihre Zeit nicht damit vergeuden.
Lluís Carbó: Quixot
Lluís Serrat: Sancho
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Der Hausbesitzer (USA 1970)
Regisseur: Hal Ashby
Originaltitel: The Landlord
Hal Ashbys „Der Hausbesitzer“ entstand 1970, und auch wenn er zuweilen etwas altmodisch erscheint, ist er in
vielerlei Hinsicht seiner Zeit immer noch weit voraus. Er konzentriert sich auf die Person Elgar Enders, ein
Kind reicher Leute gespielt von Beau Bridges, der mit 29 Jahren immer noch zu Hause bei seinen Eltern lebt.
Eines Tages stellt er jedoch plötzlich fest, dass es endlich an der Zeit für ein eigenes Heim ist. Mit der
Absicht, die derzeitigen Mieter hinauszuwerfen und das Gebäude zu einem luxuriösen Stadthaus umzubauen, kauft
er sich ein Mietshaus in einer ärmlichen Gegend von New York. Als er seine Mieter näher kennen lernt, baut er
gleichwohl als Vermieter nach und nach ein vertrauensvolles und manchmal sogar freundschaftliches Verhältnis
zu ihnen auf.
Zunächst gilt es allerdings, viele Missverständnisse und Verwechslungen aus dem Weg zu räumen. So lässt sich
Elgar gleich mit zwei schwarzen Frauen, einer verheirateten Mieterin und einer Tänzerin in einem nahe gelegenen
Nachtclub ein. Ashby schafft Augenblicke subtiler, aber beißender Gesellschaftskritik, wie zum Beispiel als Elgar,
stolz auf seine soziale Aufgeschlossenheit, seine Freundin Lanie (Marki Bey) zu einer Kostümparty in seinen Country
Club mitnimmt und unbedachterweise bei einem nebenstehenden Schwarzen einen Scotch mit Soda bestellt – mit
überraschendem Ausgang.
Die Szenen zu Hause mit Elgars Familie stehen immer wieder im Kontrast zu seinem neuen Leben in der Stadt,
Befangenheit und Privilegiertheit werden Bodenständigerem gegenübergestellt. Diese beiden Welten treffen auf
faszinierende Art und Weise aufeinander. Besonders bemerkenswert ist eine Szene, in der Elgars alternde Mutter
(Lee Grant), eine verblassende Südstaatenschönheit, zusammen mit der Wahrsagerin Marge, einer anderen Mieterin
ihres Sohnes, eine Flasche Hauswein trinkt und sich dabei offener und entspannter gibt als jemals zuvor in ihrer
eigenen Umgebung. Letztendlich sucht sie jedoch immer wieder Zuflucht bei dem, was ihr vertraut und sicher erscheint.
Auch ihr Sohn steht oftmals kurz davor dasselbe zu tun; über den Großteil des Films hinweg scheint sein neues Leben
nicht vielmehr als die Rebellion eines Teenagers gegen die Konventionen seines Elternhauses zu sein.
Alles in allem ist Elgars Weiterentwicklung eher willkürlich und widerwillig, und Momente wahren Verstehens der
Probleme seiner schwarzen Bezugspersonen sind immer von seinem playboyhaftem Gehabe begleitet. Zwar tut er am Ende
das Richtige, aber eben nur zufällig, und seine Entscheidung für ein neues, anderes Leben wird in vielerlei Hinsicht
mehr von Lanie als von ihm selbst getroffen. Man spürt, dass er ohne die Stärke ihrer Persönlichkeit höchstwahrscheinlich
wieder zu seinem behüteten Leben zurückkehren würde, ohne von seinem Ausflug in die Realität des Alltags wirklich
verändert worden zu sein.
Beau Bridges: Elgar Winthrop Julius Enders
Lee Grant: Joyce Enders
Diana Sands: Francine Copee
Pearl Bailey: Marge
Walter Brooke: William Enders Sr.
Louis Gossett Jr.: Copee (als Lou Gossett)
Marki Bey: Lanie
Mel Stewart: Professor Duboise (als Melvin Stewart)
Susan Anspach: Susan Enders
Robert Klein: Peter Coots (als Bob Klein)
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Das Leben der Anderen (Deutschland 2006)
Regisseur: Florian Henckel von Donnersmarck
Dieses starke politische Drama spielt in den letzten Jahren der zu diesem Zeitpunkt bereits verheerend brüchigen
Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Georg Dreyman (Sebastian Koch) ist ein Theaterschriftsteller mit
zurückhaltender Zustimmung für die kommunistischen Staatsoberhäupter, obwohl er einen Umgang pflegt, der sie
sichtlich nervös macht. Als seine Freundin Christa-Maria (Martina Gedeck) die suchenden Blicke eines ranghohen
Partei-Apparatschik auf sich zieht, verwischt die Grenze zwischen sozialistischer Rechtgläubigkeit und dem Vorantreiben
persönlicher Interessen. Gerade als sie sich neu zu definieren beginnen, wird Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe)
auf Dreyman angesetzt, um seine politischen Vorgesetzten zufrieden zu stellen. Dreyman, von seinen regimekritischen
Freunden manipuliert, verhilft in der Zwischenzeit unwissentlich dem Apparatschi, dem DDR-Kultusminister, zu den
Beweisen, die er haben will.
Von Donnersmarcks Film bringt viele Themen über die Frage nach Recht und Unrecht in Bezug auf das Eindringen
in die Privatsphäre hinaus auf, einschließlich einer Erörterung, welche Prinzipien man aufs Spiel setzen sollte,
um beruflichen Ruin, Inhaftierung und Verfolgung zu vermeiden. Wieslers Bespitzelung des Privatlebens von Dreyman
und Christa-Maria eröffnet ihm eine Welt voller Farben, Leidenschaft und Ideen, die seiner eigenen so schmählich
fehlen. Ulrich Mühes Darstellung des Parteifunktionärs, durch dessen Augen der Zuschauer nach und nach hinter die
Fassade des kommunistischen Staates blickt, ist grandios. Mühes eigene Schauspielkarriere wurde durch einen seiner
Familie nahe stehenden Stasispitzel geschädigt, was seiner Rolle im Film einen persönlichen Anstrich verleiht.
Sein Tod im Juli 2007 war ein Verlust für das deutsche Kino.
„Das Leben der Anderen“ ist ohne Zweifel einer der besten deutschen Filme, den Prost Amerika rezensiert hat.
Noch Monate nachdem man ihn gesehen hat, wird man von ihm sprechen. Wieslers Reaktionen auf seine Rolle in der
psychologischen Dreiecksbeziehung reichen von anfänglicher Gleichgültigkeit bezüglich seiner Entdeckungen bis
hin zur Unvermeidbarkeit, sich der Leere seines eigenen Lebens zu stellen, einer Existenz, die stellvertretend
für die Zerbrechlichkeit des DDR-Regimes steht.
Martina Gedeck: Christa-Maria Sieland
Ulrich Mühe: Hauptmann Gerd Wiesler
Sebastian Koch: Georg Dreyman
Ulrich Tukur: Oberstleutnant Anton Grubitz
Thomas Thieme: Minister Bruno Hempf
Hans-Uwe Bauer: Paul Hauser
Volkmar Kleinert: Albert Jerska
Matthias Brenner: Karl Wallner
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Als das Meer verschwand (Neuseeland 2004)
Regisseur: Brad McGann
Originaltitel: In My Father's Den
 Matthew Macfadyen und Emily Barclay © Tartan Films 2006
Brad McGanns einziger Spielfilm hat verdientermaßen sowohl in seinem Heimatland als auch im Ausland
großes Lob geerntet.
Matthew MacFayden gibt eine tief bewegende Darstellung als Paul Prior, ein heruntergekommener
Kriegsberichterstatter in den Dreißigern, der in England lebt und nach dem Tod seines Vaters in seine
Heimatstadt in Neuseeland zurückkehrt. Sein Bruder und seine Mutter sind über seine Anwesenheit dort genauso
wenig erfreut wie er selbst. Priors nunmehr englischer Akzent und sein Erfolg als international anerkannter
Pressefotograph verursachen zwar unmittelbar nach seiner Ankunft Spannungen, jedoch geht um mehr als gesellschaftliche
und kulturelle Entfremdung. Der Film entwirrt langsam aber sicher die Geschichte der Familie und warum Prior an jenem
Tag vor so vielen Jahren davonlief. Als sich die dunkle Geschichte der Stadt herausstellt, beginnt ein Ratespiel,
währenddem viele unverarbeitete Gefühle zum Vorschein kommen.
Emily Barclay als Celia Steimer, ein Teenager, der eine Faszination für den Neuankömmling entwickelt,
bekam für ihre Rolle vom Australian Film Institute den Preis für die beste Darstellerin verliehen. Als Kulisse
verwendet der Film die neuseeländische Südinsel: beruhigend, schön und geheimnisvoll. Trotzdem einige äußerst
verstörende Themen angesprochen werden, fasziniert und fesselt der Film den Zuschauer vom Anfang bis zum Ende.
Auf dem gleichnamigen Roman von Maurice Gee aus dem Jahre 1972 basierend, gewann „Als das Meer verschwand“
insgesamt neun Auszeichnungen beim New Zealand Screen Award 2005, darunter Bester Film und Beste Regie. Darüber
hinaus ist der Film eine Hommage an Brad McGann, der im Alter von nur 43 Jahren an Krebs starb.
Einen Nachruf findet man hier.
Matthew Macfadyen: Paul Prior
Emily Barclay: Celia Steimer
Miranda Otto: Penny
Colin Moy: Andrew
Jimmy Keen: Jonathon
Jodie Rimmer: Jackie
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9 Songs (England 2004)
Regisseur: Michael Winterbottom
 Margo Stilley und Kieran O’Brien © Tartan Films 2005
Über diesen Film werden die Leute reden und stundenlang diskutieren, ob es sich hierbei nun um Pornographie
handelt oder nicht. Schaffen wir dies direkt beiseite, indem wir sagen, dass in „9 Songs“ tatsächlich Sex, Oralverkehr,
Prostitution und Fesselspiele vorkommen, und dass man getrost noch einiges an unnötigem Drogenkonsum hinzuaddieren darf.
Ob das als Pornofilm anzusehen ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.
Die Filmszenen arrangieren sich um neun Songs herum, die in verschiedenen Londoner Theatern von diversen Bands
vorgetragen werden, darunter Primal Scream, Franz Ferdinand, Michael Nyman, Super Furry Animals, Elbow, Black Rebel Motorcycle
Club, die Von Bondies und die Dandy Warhols. Matt (Kieran O'Brien), ein englischer Gletscherforscher, und Lisa (Margo Stilley),
eine amerikanische Studentin, befinden sich allem Anschein nach in einer Liebesbeziehung. Der Film verfolgt diese Beziehung
von den Anfängen bis zur Gegenwart – durch Analyse des Sexuallebens der beiden. Dinge wie Handlung oder Drehbuch sind bei
der Beschreibung desselben allerdings zu profan und alltäglich, als dass in „9 Songs“ von ihnen Gebrauch gemacht würde.
Die Sexszenen sind realistischer als in einem Standardporno, jedoch ist die Handlung nicht weniger mager.
Winterbottom ist es aber augenscheinlich gelungen, dem Film eine kunstvolle Aura zu verleihen, was angesichts seiner
Ausdruckslosigkeit und Leere ohne die drastische Darstellung des Geschlechtsverkehrs, durchaus eine Leistung ist.
Kieran O'Brien: Matt
Margo Stilley: Lisa
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12:08 - Östlich von Bukarest (Rumänien 2006)
Regisseur: Corneliu Porumboiu
Originaltitel: A fost sau n-a fost?
 © Tartan Films 2006
Vaslui, eine kleine verschlafene Stadt in Rumänien ist Schauplatz dieser wirklich gelungenen Komödie von
Corneliu Porumboiu. 16 Jahre nachdem das rumänische Volk durch die gewaltfreie Revolution von 1989 das
totalitäre Regime Nicolae Ceaucescus abgeschafft hat, stellt der lokale TV Moderator Virgil Jderescu
(Teodor Corban) via Kabelfernsehen die Frage, ob auch die Bürgerinnen und Bürger Vasluis am Tag des
Umsturzes aktiven Widerstand gegen die das System geleistet haben oder lediglich Nutznießer des
Verdienstes anderer waren. Virgil hängt seine Frage an einem ganz konkreten Zeitpunkt auf: dem 22.
Dezember 1989 um 12:08 Uhr. Es ist der Moment, in dem Ceausescu mit einem Hubschrauber die Flucht
aus Bukarest gelang.
Von Hause aus TV Journalist bittet Virgil seine Zuschauer, mit denen er während der Sendung live
per Telefon kommuniziert, auf die Frage, ob sie sich am besagten Tag vor 12:08 Uhr auf dem Marktplatz
von Vaslui befanden, mit einem einfachen Ja oder Nein zu antworten. Zu sich ins Fernsehstudio hat er
zwei Gäste eingeladen, den alkoholabhängigen Lehrer Tiberiu Manescu (Ion Sapdaru) sowie den Greis
Emanoil Piscoci (Mircea Andreescu). Wie von einem solchen Sendeformat nicht anders zu erwarten,
zerschlagen sich Virgils Hoffnungen, Vasluis Helden der Stunde ausfindig zu machen, schon bald
an den Tücken des Alltags der so gar nicht heldenhaften Durchschnittsbürger Vasluis, die überall
auf der Welt mühelos ihresgleichen finden.
Regisseur Porumboiu gelingt es während der letzten 60 Minuten des Films, den Zuschauer trotz der
unveränderlichen Kulisse des Fernsehstudios, in dem die drei Männer nahezu unbeweglich sitzen, bei
der Stange zu halten, und schafft es überdies, eine feinsinnige Charakterstudie der drei in den
inhaltlichen Stoff einzuweben – so erfolgreich übrigens, dass man das Gefühl hat, allen dreien
schon einmal persönlich begegnet zu sein: im Supermarkt, im Bus, auf der Bank gegenüber vom Spielplatz.
George Guoqingyuns köstlicher Gastauftritt als chinesischer Ladenbesitzer Chen muss an dieser Stelle
unbedingt noch Erwähnung finden.
Eine tolle Satire also über die Welt, in der wir leben, und über das Kabelfernsehen, das es wie
kein anderes Medium schafft, die Welt, in der wir leben derart originalgetreu wiederzugeben – wenn
auch nicht immer mit Absicht.
Teodor Corban: Virgil Jderescu
Ion Sapdaru: Tiberiu Manescu
Mircea Andreescu: Emanoil Piscoci
Mirela Cioaba: Doamna Manescu
Luminita Gheorghiu: Doamna Jderescu
Daniel Badale: Professor
Annemarie Chertic: Vera
Cristina Ciofu: Vali
Constantin Dita: Tibi
Lucian Iftime: Lica
George Guoqingyun: Chen
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 Gretchen Krich und Sullivan Brown © Adam L. Weintraub
„Brand Upon the Brain“ ist eine schaurige Mischung aus Drama, Horrorfilm, Science Fiction und Zeitdokument. Überwiegend
im schwarz-weiß Stil der 1920er Jahre gedreht mit gelegentlichen Farbwallungen und erzählt mit einer Kombination aus
altmodischen Bildtexten und Isabella Rosselinis pathetischer Stimme aus dem Off, lässt
sich dieser Film keiner Kategorie zuordnen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht ein alter Leuchtturm, der einst ein Kinderheim beherbergte, jetzt aber verlassen ist.
Guy Maddin (Erik Steffen Maahs) kehrt hierher aufgrund eines Briefes seiner sterbenden Mutter nach 30 Jahren zurück. Guy
soll ihren letzten Wunsch erfüllen und den Leuchtturm weiß anstreichen. Einmal auf der Insel angekommen, wird er von
Kindheitserinnerungen heimgesucht, die, meist in Rückblenden erzählt, in 12 Kapitel aufgeteilt und mit teilweise
provozierenden Überschriften versehen sind.
Mit 12 leben Guy und seine rebellische ältere Schwester zusammen mit ihren Eltern auf der Insel, die dort das
Weisenhaus leiten. Eine geheimnisvolle Besucherin namens Wendy taucht eines Tages plötzlich im Wald auf. Sie ist
eines der „Glühbirnenkinder“, ein Bruder-Schwester-Zwillingspaar von Teenager-Amateurdetektiven. Wie kindliche
Detektive das so an sich haben, steckt auch Wendy ihre Nase gerne in Dinge, die sie nichts angehen, um den
Geheimnissen der Insel und ihrer Bewohner auf die Spur zu kommen. Im Zuge ihrer Nachforschungen passieren
seltsame pubertäre Verwicklungen, die Wendy dazu zwingen eine List anzuwenden.
Guys besitzergreifende und kontrollsüchtige Mutter beobachtet alles, was geschieht, von ihrem Platz am
Aussichtsfenster des Leuchtturms aus und kommuniziert mit ihren abwesenden Kindern mittels eines „Aerophons“,
einer Vorrichtung, die von menschlichen Emotionen angetrieben wird. Guys Vater, schwermütig und nur selten
anwesend, verbringt die meiste Zeit in seinem Labor, wo er schreckliche Tränke zusammenbraut, die die Jugend
seiner Frau zurückholen sollen. All diese Handlungsstränge kommen zusammen in einem Film, der von morbide bis
sentimental, sinnlich mist moralistisch reicht.
Mit wunderschönen Bildern und einem unwiderstehlichen Soundtrack ausgestattet, scheint „Brand Upon the
Brain“ letztlich von der Erinnerung an sich und den Irrungen und Wirrungen des menschlichen Geistes in all
seiner prachtvollen Vielschichtigkeit zu handeln.
Erik Steffen Maahs: Guy Maddin
Gretchen Krich: Mutter
Sullivan Brown: Guy Maddin als Kind
Maya Lawson: Schwester
Katherine E. Scharhon: Chance Hale / Wendy Hale
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Mona Lisas Lächeln (Kanada 2006)
Regisseur: Mike Newell
Originaltitel: Mona Lisa Smile
Eine wunderbare Besetzung bringt diese etwa typische Handlung zum Leben. Julia Roberts spielt die Kunsterzieherin Katherine Ann Watson, die Kalifornien im 1953 verlässt um einer Stelle als Kunsterzieherin bei einer konservative Frauenscollege in New England anzunehmen. In vielen Aspekten ist die Voraussetzung ähnlich zu Der Club der toten Dichter (Dead Poets Society) indem Watson kommt als eine unorthodoxe Dozentin bei einem konventionelle Institution (in diesem Fall Wellesley College) an.
Wellesley und seiner Zeitgenosse hatten sich als Bildungsträger verkleidet, die waren aber eigentlich nur Mädchenpensionate für bessere Frauen wo Männer von den Eliteuniversitäten eine passende Frau finden könnten. Mona Lisas Lächeln (Mona Lisa Smile) erzählt die Geschichte von vier von diesen Mädchen und wie ihre Lebenswege sich mit der Charakterdarstellerin von Roberts überkreutzt. Mit Ihre überzeugende Aufführung als die boshaft aber unsicher Studentin Betty Waren, klaut Kirsten Dunst fast den Rampenlicht von Julia Roberts. Einiges von dem Wechselspiel zwischen Warren und der Kunsterzieherin von Roberts, Katherine Ann Watson, ist grossartig zum anschauen. Die Methoden von Watson sind unorthodox und sie tretet entgegen und beleidigt die mürrische Institution, die hervorragend dargestellt ist von der Präsidentin von dem College, Jocelyn Carr (Marian Seldes). Sowie bei Roberts und Dunst, gibt es wunderbare Aufführungen von einer volle Besetzung im Nebenrollen. Besonders auffallen Maggie Gyllenhaal als die Studentin Giselle Levy und Juliet Stevenson als die Krankenschwester Amanda Armstrong.
In einer Epoche wo viele Kritiker meinen, dass starke Frauen-Rollen fehlen, widersetzt es sich Mona Lisas Lächeln. Der Film ist eigentlich am besten in den Szene ohne Männer. Allerdings sind die männlichen Darsteller in Mona Lisas Lächeln siemlich eindimensional. Sie sind am meisten dargestellt als entweder ablehnend von dem Ehrgeiz und Talent der Frauen oder Serienfrauenjäger. Die Besetzung spielt den Rollen so gut wie möglich aber in Wirklichkeit bietet dieser Film mehr für weibliche als für männliche Anschauer an.
Das Leben im 1953 ist für Frauen sehr anders als heutzutage und Mona Lisas Lächeln bringt feministische Themen hoch ohne uns Vorhaltungen davon zu machen. Watson ermutigt ihre Studentinnen weiter zu studieren und sich selbst intellektuell zu erfüllen. Sie kommt aber gegen eine Kultur, die glaubt, dass die Ambition einer Frau sein Höhepunkt mit der Hochzeit erreicht sein sollte. Der Film dient als eine nutzvolle Erinnerung, dass Frauen um die Gleichheit, die sie heute genießen, wenn auch unvollständig, kämpfen müssten.
Julia Roberts: Katherine Ann Watson
Kirsten Dunst: Betty Warren
Julia Stiles: Joan Brandwyn
Maggie Gyllenhaal: Giselle Levy
Ginnifer Goodwin: Connie Baker
Dominic West: Bill Dunbar
Juliet Stevenson: Amanda Armstrong
Marcia Gay Harden: Nancy Abbey
John Slattery: Paul Moore
Marian Seldes: Präsidentin Jocelyn Carr
Donna Mitchell: Frau Warren
Terence Rigby: Dr. Edward Staunton
Jennie Eisenhower: Mädchen im Bahnhof
Leslie Lyles: Wohnungsdirektor
Laura Allen: Susan Delacorte
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The TV Set (USA 2006)
Regisseur: Jake Kasdan
In dieser modernen Satire über das Making Of einer Fernsehserie spielt David Duchovny den Hollywood-Drehbuchautor Michael
Klein, der mit einer wachsenden Familie, einem ebenfalls wachsenden Schuldenberg und Rückenbeschwerden zu kämpfen hat. Sein
Pech scheint ein Ende zu haben, als eine große Fernsehgesellschaft entscheidet, sein Drehbuch für eine TV-Serie kaufen, das
auf den Ereignissen seines eigenen Lebens basiert.
Sigourney Weaver gibt als Präsidentin des TV-Senders, die den Inhalt der Serie für die Hauptsendezeit als zu deprimierend
erachtet und hier und da einige „unwesentliche Korrekturvorschläge“ anzubringen hat, um sie einem breiteren Publikum zugänglich
zu machen, eine ihrer typischen starken Vorstellungen der böswillige Powerfrau, die der Zuschauer mit Wonne hassen darf. Kleins
Dilemma besteht nun darin, entweder die ganz und gar nicht unwesentlichen Änderungen des Senders an seiner Arbeit hinzunehmen,
um seine Schulden abbezahlen zu können, oder seiner künstlerischen Vision treuzubleiben und die ihm und seiner Familie drohende
Armut in Kauf zu nehmen. Einen Hauch britischer Eleganz erhält die Besetzung in Person des Richard McAllister, gespielt von dem
Waliser Ioan Gruffudd, der eine denkwürdige Vorstellung als UK-Führungskraft gibt, der Trumpfkarte des Senders.
„The TV Set“ ist ein sehr glaubwürdiger Blick aus der Vogelperspektive auf den Entstehungsprozess einer Sitcom und die trüben
Gewässer, durch die Drehbuchautoren navigieren müssen, um ihre Ideen wenigstens halbwegs unversehrt auf den Bildschirm zu bringen.
Ob es sich lohnt diesen Film anzusehen? Auf jeden Fall, allerdings mit einem warnenden Hinweis für alle diejenigen, die sich
dem Wunsch oder der Illusion hingeben, die nächste, von Kritikern und Zuschauern gleichermaßen hochgelobte TV-Serie zu schreiben:
„The TV Set“ kuriert einen davon. Wer allerdings schon immer mal wissen wollte, warum das Fernsehprogramm heutzutage soviel
Bescheidenes zu bieten hat, der findet hier mehr Antworten als ihm lieb sind.
David Duchovny: Mike Klein
Sigourney Weaver: Lenny
Ioan Gruffudd: Richard McCallister
Judy Greer: Alice
Fran Kranz: Zach Harper
Lindsay Sloane: Laurel Simon
Justine Bateman: Natalie Klein
Lucy Davis: Chloe McCallister
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„Dr. Bronner's Magic Soapbox“ erzählt die Geschichte Dr. Emanuel H. Bronners, ein Meister der
Seifenmacherei aus Heilbronn, der 1929 nach Amerika auswandert, um dort seine
„Ein Gott“-Philosphie zu verbreiten. 1948 flüchtet er aus einer Irrenanstalt
und trampt nach Kalifornien, wo er „Dr. Bronners Magische Pfefferminzseife“
erfindet, eine natürliche Allzweckolivenölseife mit einem Regelwerk auf
der Verpackung, das er „Das Moralische ABC“ nennt.
Die Geschichte Bronners entspinnt sich anhand wechselnden Materials von Dr. Bronner selbst
(er starb 1997) und seines Sohnes und Erben Ralph, das zusammen mit Ausschnitten aus der
Seifenfabrik und ihren Angestellten gezeigt wird. Benutzer der Seife, die schon seit
vielen Jahren einen wesentlichen Teil der amerikanischen Gegenkultur ausmacht und nun
zusammen mit der „Grünen Generation“ den Sprung in die breite Masse geschafft hat,
werden gezeigt, während sie beim Waschen Auszüge aus dem „Moralischen ABC“ aufsagen.
Die Geschichte der Familie Bronner umspannt vier Generationen, angefangen mit Dr.
Bronners strengem Vater zu Hause in Deutschland über sein Kinder und Kindeskinder.
Bronner war ein Mann mit enormer Antriebskraft und Charisma, so durchdrungen von
seiner Philosophie, dass er sich sogar weigerte, an Vertreiber zu verkaufen, die
ihm und seinen Auffassungen kein Gehör schenken wollten. Er war vier Mal verheiratet
und seine Kinder wechselten von Pflegefamilie zu Pflegefamilie, währen er seine Mission
verfolgte. Zwar lässt Sohn Ralph die Inbrunst des Vaters vermissen, jedoch verbreitet
er sein Erbe mit furchteinflößender Ernsthaftigkeit, umarmt vollkommen Fremde,
denen er zuvor eine Flasche Seife geschenkt hat.
Die Filmemacher sind offensichtlich von Dr. Bronner fasziniert, der Blickwinkel des Films
meist positiv, auch wenn sie sich nicht scheuen, das eine oder andere Mal die mehr
ambivalenten Aspekte seines Charakters zu zeigen. Alles in allem liefert „Dr.
Bronner's Magic Soapbox“ einen beeindruckenden Einblick in das Leben einer
einzigartigen Persönlichkeit und ihres persönlichen und kulturellen Vermächtnisses.
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Die Wolke (Deutschland 2006)
Regisseur:Gregor Schnitzler
Nach einem Störfall tritt aus einem südöstlich von Frankfurt gelegenen Kernkraftwerk eine riesige radioaktive Wolke
aus. Die Menschen in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks sind sofort verstrahlt, die Bewohner der Regionen, auf die die
Wolke zutreibt, fliehen in Panik. Zu den betroffenen Gebieten zählt auch der kleine Ort Schlitz, in dem die 16-jährige
Hannah mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Uli lebt. Gemeinsam mit ihrer ersten großen Liebe, ihrem Klassenkameraden
Elmar, versucht Hannah der Katastrophe zu entkommen. Sie wird jedoch kontaminiert, während Elmar die Flucht gerade
noch gelingt. Das Glück der beiden scheint zu Ende, doch Hannah lernt zu ihrer großen Überraschung, dass Liebe sich
von der Vernunft nicht in die Schranken weisen lässt: Wider besseren Wissens und angesichts der Gefahr selbst verstrahlt
zu werden, sucht Elmar Hannah im Sicherheitstrakt eines Sanatoriums auf…
Der Rest ist Geschichte, die Botschaft klar: Lebe als gäbe es kein Morgen; die Liebe kennt kein Gestern, nur das Heute.
Angesichts der starken darstellerischen Leistung der beiden jungen Protagonisten mag man dem Film verzeihen, dass er eine
Liebesbeziehung in den Vordergrund stellt, die sich in der Romanvorlage von Gudrun Pausewang nicht wiederfindet.
Paula Kalenberg: Hannah
Franz Dinda: Elmar
Hans-Laurin Beyerling: Uli
Carina N. Wiese: Paula (als Carina Wiese)
Jennifer Ulrich: Meike
Claire Oelkers: Ayse
Tom Wlaschiha: Hannes (als Thomas Wlaschiha)
Karl Kranzkowski: Dr. Salamander
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